Schritt für Schritt zum Ziel

Ziele sind toll.
Sie glänzen richtig, wenn sie so auf dem Papier stehen und ich sie betrachte. Der Schwung der Buchstaben, der Verlauf des Stifts – wunderhübsch.
Ich muss aufpassen, dass ich vor glückseligem Betrachten nicht vergesse, auch etwas für sie zu tun. Denn so schön man sie auch aufschreibt, sie erfüllen sich nicht von alleine.

Der Januar ist noch jung – aber irgendwie schon zur Hälfte vorbei. Huch? Langsam kommen wir in den Bereich, in dem es ernst wird mit den Monatszielen. Wenn Deine zwei ersten Wochen im Jahr etwa so waren wie meine, hast Du an diesem Punkt zwei Möglichkeiten.
Die erste Option: Wie bitte, ich wollte dieses Konzept zu Ende schreiben UND es mit jemandem durchsprechen UND es überarbeiten UND es bis Monatsende abgeben? Wozu? Ich wollte vier Bücher im Januar lesen? 13.000 Wörter schreiben? Alles auf einmal?? Nö.
Oder Du ziehst es durch.
Diese Ziele kommen nicht aus dem Nichts. Du hast sie Dir selbst gesetzt, weil sie für Dich wichtig sind. Weil Du Dein Leben gestalten willst und etwas erreichen. Jahresziele. Deine Januarziele sind einer von zwölf Schritten dorthin.
Also los, und diesmal mit Motivation.

Ziele herunterbrechen

Ich hatte bereits geschrieben, dass ich meine Monatsziele wiederum in Wochenziele herunterbreche. Es geht noch kleiner. Tagesziele. Sessionziele. Aber ehe Du einen ganzen Tag damit verbringst, alles klein und noch kleiner und schließlich in winzige Schritte herunterzubrechen und exakt zu planen, welchen Zwischenschritt Du wann erreicht haben willst – nur um dann festzustellen, dass Du leider diesen Tag, der nun verstrichen ist, mit eingeplant hattest und alles wieder wegwerfen kannst: Plane einen Tag. Den, der als nächstes ansteht.

Heute wird ein guter Tag

An die Tagesplanung gehe ich nicht, indem ich mir Ziele setze. Manchmal sind es einfach nur Aufgaben, die ich erledigen muss. Und ich weiß nicht warum, Aufgaben sind weniger gruselig als Ziele. Aufgaben kann man einfach anpacken.
Eine Aufgabe ist: Zwei Stunden an meinem Konzept arbeiten. Eine Aufgabe ist auch: Kapitel 3 des Konzepts schreiben. Ja, »Kapitel 3 schreiben« klingt schon sehr nach Ziel, aber für mich macht es einen Unterschied, ob ich einfach Kapitel 3 schreibe, oder ob ich das Ziel erreichen will, Kapitel 3 geschrieben zu haben. Indem ich die Aufgabe nur als Aufgabe und noch nicht als Ziel betrachte, muss das Ergebnis nicht final, nicht perfekt sein. Ich kann das Kapitel später noch überarbeiten. Morgen zum Beispiel, der morgige Tag ist noch nicht geplant. Ich kann Punkte ergänzen, sollte ich etwas vergessen haben. Oder ich kann es lassen, wie es geworden ist, wenn es mir gefällt.
Ich mache mir also eine Aufgabenliste für den Tag. Und ich hake ab, was ich erledigt habe. Haken setzen ist eine sehr befriedigende Tätigkeit. Und weil sie nicht teuer sind, setze ich manchmal einfach ein paar Haken mehr. Wenn ich merke, eine Tätigkeit, bei der ich nicht in den Flow komme, zieht sich, breche ich sie weiter herunter. Ich muss für das Kapitel Recherche betreiben, ich brauche eine Statistik, die muss ich grafisch aufbereiten, dann der Text: Einleitung, Beschreibung des Schaubilds, Analyse, Schlussfolgerung. Indem ich quälende Aufgaben zerlege – und ja, dieses Konzept ist eine Qual – kann ich die Punkte nach und nach abarbeiten. Mit drei gesetzten Haken in die Mittagspause zu gehen ist ein so viel besseres Gefühl als mit dem flauen Eindruck: Ich habe stundenlang nur Informationen zusammengetragen. Ich habe noch nichts geschafft!

Belohnung

Ich arbeite SEHR gern mit Belohnungssystemen. Ich liebe sie. Und damit meine ich nicht, mir einen Blumenstrauß zu kaufen oder einen Cafébesuch zu gönnen. Ich setze Haken. Male Kästchen aus. Klebe Sticker. Ich mache meinen Erfolg sichtbar.
Früher habe ich Aufgaben durchgestrichen, wenn ich sie erledigt hatte. Das kann auch sehr befriedigend sein, aber es stellt doch irgendwie in den Vordergrund, was wegfällt, nicht: was ich geleistet habe. Nicht jede Aufgabe, die man erledigt, hinterlässt etwas Sichtbares. Viele Aufgabe führen sogar zum Gegenteil. Etwas verschwindet. Postfächer werden leer, Papierstapel weg sortiert, Müll runter gebracht.
Ich dokumentiere meine erledigten Aufgaben in meinem Kalender und wenn ich die Seiten durchblättere und sehe, was ich geschafft habe, breitet sich ein gutes Gefühl in mir aus.
Mit diesem Gefühl setze ich mich entspannt auf die Couch. Und vielleicht werde ich meinem Ziel, vier Bücher im Januar zu lesen, einen Schritt näher kommen.
Aber fürs Lesen setze ich keine Haken. Lesen ist bereits Belohnung.

4 thoughts on “Schritt für Schritt zum Ziel

  • Die Hex 24. Januar 2017 at 19:21

    Hm, ja, man vertut sich dann doch leicht, wie schnell so ein Monat vergeht… Ich hatte die wunderschönsten Ziele, hab auch einen tollen Plan gemacht und einiges erreicht. Aber dann sind ein paar Dinge, auf die ich keinen Einfluss hatte, passiert und schwups, waren die Ziele nicht erreichbar, weil sie an anderen Leuten hingen. Also merke ich mir: lieber Ziele setzen, über die ich selbst die Kontrolle habe. Ziele mit anderen sind auch nice to have, aber sollten nicht zu starr geplant werden, sonst ist man dann doch enttäuscht.

    • Nion
      Nion 24. Januar 2017 at 22:10

      I see. ? Ja, das ist doof.
      Nächsten Monat also zumindest ein paar Ziele, die Du ganz ohne andere erreichen kannst.
      Auch wenn ein Monat schnell vergeht – eine Woche hat er noch. Vielleicht klappt es ja doch noch mit dem einen oderen anderen Punkt auf der Liste?

  • the3rddecade 22. Januar 2017 at 16:06

    Ich habe immer so gern Haken gesetzt und dann die erledigte Aufgabe durchgestrichen.
    Nur zu oft ist es dann passiert, dass vieles nicht durchgestrichen war – es sprang nur dann förmlich entgegen, was ich alles _nicht_ erledigt hatte. Völlig demotivierend! Und so war ich Anfang dieses Jahres fast so weit, meine geliebten Listen ganz zu streichen.
    Ich habe es nicht getan.
    Aber dieser Ansatz: Hervorheben, was erledigt wurde und damit die positive Seite zu betrachten, den finde ich schlicht genial!
    So easy, warum bin ich da noch selbst drauf gekommen?
    Danke für diese Anregung! Die werde ich ab sofort anwenden.

    • Nion
      Nion 24. Januar 2017 at 22:05

      Ich bin auch noch immer am Umgewöhnen. Erwische mich ständig wieder dabei, wie ich etwas durchstreichen will.^^ Aber Seiten mit Farben statt Strichen lassen sich einfache so viel schöner durchblättern.

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